Geschichten im Muffin-Paradies


Vorsicht Ansteckungsgefahr! Muffin-eritis! - von teKe

Tagebuch einer Epidemie

Überall gibt es Bücher mit Titeln wie "Die besten Muffins", oder so. Mal teurer, mal billiger. Pah, ich brauche so was nicht. Man muss nicht jede amerikanische Mode mitmachen... Aber, wissen will ich schon, wovon die Anderen reden.

11. Januar, Freitag:
Was, nur 5 Euro? Na, das ist die Chance. Überzeugend. Da sind Rezepte mit Gemüse und vollem Korn drin. Nicht immer so ein übersüßer Zucker- und Cremekram wie die ganze Weihnachtszeit über. Überzeugt. Ich investiere. Zu Hause wird studiert. Aha, ich brauche eine Muffinform, die Rezepte sind immer auf 12 Stück ausgerichtet. Gut. Preisvergleich. Ich schlage zu. Papierförmchen habe ich schon.

18. Januar, Freitag:
Ich schiele nach der Muffinform. Umsonst will ich das Ding ja nicht gekauft haben. Soll ich es heute wagen? Rezeptsuche. Herzhaft, mit Vollkornmehl - das ist gut. Da habe ich ein Alibi wegen der schlanken Linie und so. Schinken-Lauch-Muffins sollen es werden. Teig kosten entfällt. Soo lecker ist das nun nicht. Rein in den Ofen. Er zieht durchs Haus - der Duft. Hoffentlich ist die Zeit bald rum, verstohlen schauen meine Kinder schon mal durch die Tür. Meine Familie bekommt es zum Abendessen kredenzt - so als Betthupferl, oder so. Gut. Das war lecker. Die Muffins verdampfen. Ich muss versprechen, bald ein anderes Rezept auszuprobieren.

19. Januar, Sonntag:
Telefon klingelt. Besuch will kommen. Zum Kaffee. Soll ich etwa...? Ja. Rezeptsuche. "Likörmuffins"? Klingt gut. Im Schrank steht seit Urzeiten eine Eierlikörflasche. Keiner trinkt den. Der muss weg. "Mama, ich will rühren!" Gut. Der kleine Tritt wird rangeschoben. Der Jüngste mixt allein mit seinen 5 Jahren. Teig wird verkostet: "Leeeecker!" Mama: "Der ist aber mit Alkohol, mein Spatz." "Macht doch nichts, Mama." Gut, es ist eben was Neues. Ich backe für alle Fälle noch "Heidelbeer-Muffins". Verdammt, schmecken die gut. So locker und frisch. Den Kindern schmecken die Eierlikör-Muffins besser. Komisch. Hoffentlich verfallen Sie nicht dem Alkohol und müssen bald zur Entziehung.

20. Januar, Sonntag:
Heute entspann sich folgender Dialog: "Mama, darf ich ein Muffin essen?" - "Die sind alle." - "Oh man, wer hat die denn nur aufgegessen?" - "Tja, Du und Dein Bruder haben da stolze Anteile!" - "Wir müssen neue Muffins backen!"
Wir backen. Es duftet im ganzen Haus nach "Schoko-Bananen-Muffins". Die Dinger sind so schön handlich. Man bräuchte mal ein paar neue Rezepte. Mal ins Internet schauen. Wahnsinn, dieses! Was soll man sich bloß zuerst von diesen 583 Rezepten merken!

26. Januar, Samstag:
Heute las ich, dass ich die Teile einfrieren kann und unaufgetaut nur 5 Minuten backen soll, dann seien sie für den "überraschenden Besuch" ideal. Oder für meine verfressenen Leckermäuler. Ich probiere es bald mal aus. Vielleicht backe ich in ruhigen Zeiten vor? Eine zweite Muffin-Backform muss her.

27. Januar, Sonntag:
Ich backe zum x-ten Mal Muffins. Der Eierlikör nimmt schon etwas ab. Mein Jüngster kommt mit einem Freund, 4 Jahre. "Wir backen jetzt!" Keine Chance. Ich kann nur das Schlimmste abwenden. Der Mixer ackert, die Kräfte des mutigen Freundes schwinden. Der Mixer kommt in die Schräglage. Als der Teig fertig ist, schiebe ich die Kinder vorübergehend ins Zimmer ab, bewaffnet mit Teigschüssel und Teigschaber zum Auskratzen. Als ich die Schranktüren und Fliesen wieder teigfrei habe, beurteilt die kleine, teigbeschmierte Jugend mit piepsiger Stimme: "Also der erste Teig ist lecker (das war der Eierlikör), aber von den anderen Muffins esse ich nachher nichts, der schmeckt doof!" Das waren die Himbeer-Muffins. Ganoven. Ich schicke sie ins Bad, die Waschlappen zur Teigbeseitigung nutzen.

Irgendwann im März:
Ich habe zum Damenkränzchen eingeladen. Wir kosten, wie soll es anders sein, Muffins. Es mundet allen, die Rezepte werden erbeten.

Tage später:
Das Telefon klingelt. "Hallo Frau Krause, wissen Sie, wo es Muffin-Backformen gibt? Schon 3 Tage suche ich vergeblich danach. Morgen habe ich den letzten Tag Urlaub und soll für Frau L. und Frau B. auch welche mitbringen!"

Aber das Leben geht weiter, mit oder ohne Muffins.         teKe